Review: Sessions with Joey L.

Wer ist eigentlich Joey?

Es gibt so ein paar Fotografen, die im Web einfach auffallen: weil sie bloggen und twittern, weil sie eine aktive Community haben und weil sie einfach verdammt gute Bilder machen. 

Einer sticht dabei besonders raus. Der junge Kanadier Joey Lawrence, 
kurz Joey L. Nicht nur, weil er mit gerade mal 19 Jahren schon einige sehr große Shootings gemacht hat, sondern auch weil er privat um die halbe Welt reist und Photos macht, die es mit jeder GEO-Zeitschrift aufnehmen können.

Joey gehört zu einer neuen Generation von Fotografen: jenen, die von Anfang an digital gearbeitet haben. Film und Dunkelkammer sind ihm fremd, dafür ist die digitale Nachbearbeitung fester Bestandteil des kreativen Prozesses.

Als ich letzte Woche gesehen habe, dass er eine neue DVD/Film heraus 
gebracht hat, habe ich sofort zugeschlagen. Zugegeben, der Preis ist stattlich: $299.00 (bis 1.11. noch $250.00), aber ich wollte einmal sehen, wie der Kerl an ein Shooting rangeht, wieviel vom Bild in der Kamera entsteht und was erst im Postprocessing gephotoshoped wird. Ich war einfach neugierig. Und so habe ich mir letzten Sonntag die vier Stunden am Stück reingezogen.

Sessions with Joey L.

(c) Copyright by Joey Lawrence, Joey L. Inc

(c) Copyright by Joey Lawrence, Joey L. Inc

Der Kauf geht super einfach. Name und Kreditkartendaten eingeben, ok drücken 
und sofort downloaden. Eine schnelle Internetverbindung vorausgesetzt, denn die Datei für Mac und PC ist stolze 2GB groß. Alternativ gibt es auch eine Hardcopy zum Bestellen. Ich habe mich für den Download entschieden.

Der Inhalt des ZIP-Files ist für den Computer bestimmt, nicht für den Fernseher. Nach dem Entpacken bekommt man einen Ordner mit einer Offline-Website, so dass man sich mit dem Browser durch das Menü navigieren kann. Der Inhalt ist in fünf Kategorien unterteilt, jede Kategorie enthält mehrere Filme, die  
jeweils zwischen zehn Minuten und einer Stunde lang sind.

Kleines Manko: die Filme laufen eingebettet im Browserfenster. Weil alle Daten aber auf der Platte sind, habe ich einfach die Filme im Unterordner video direkt mit QuickTime geöffnet und im Vollbildmodus angeschaut. Da die MOV-Dateien nach Kapitel und Titel benannt sind, ist der richtige Clip schnell gefunden.

Die Clips sind alle perfekt ausgeleuchtet, professionell geschnitten  
und gut vertont. Die Bildqualität von Video und eingeblendeten Fotos ist astrein und Joey’s English ist klar und deutlich verständlich. Die Behind the Scenes Videos haben im Vergleich zu den restlichen Clips mehr Hintergrundgeräusche, sind aber immer noch gut zu verstehen.

Zusätzlich zum Video werden immer wieder die besprochenen Bilder eingeblendet. Dabei stehen praktischerweise die relevaten Exif-Informationen am Bildrand.

Nun aber zum Inhalt

Der Inhalt ist in fünf  Kategorieren unterteilt, die je aus ein paar Videos bestehen.

1) LIGHTING THEORY

In diesem Kapitel erklärt Joey, wie er eine Szene ausleuchtet. Er beschreibt, dass es ihm weniger um die Technik geht, sondern wesentlich mehr um die Stimmung und das Feeling, das das finale Bild haben soll. Erst wenn die Vison steht, macht er sich Gedanken darüber, welches Licht wie und wo eingesetzt wird. Er beschreibt die Basis-Techniken, dass er immer mit dem Hauptlich anfängt und den Rest darum herum baut. Zum Schluß geht er noch auf das Finetuning ein, Lightmodifier, Umgebungslicht, Farbfolien etc. Dabei zeigt einige Bilder, bei denen sein Assistent zum Lichttest in der Szene stand, noch bevor das eigentliche Model am Set ankam.

2) PHOTO SHOOTS

Nachdem die Theorie über die Beleuchtung abgehakt ist, zeigt Joey in Photoshoots fünf Behind the Sceen Videos, die die ganze Spanne von der Vorbereitung über das Shooting bis zum finalen Bild abdeckt.

3) BUSINESS

Sehr interessant ist das Kapitel Business, denn das habe ich noch in keinem Fotografie-Tutorial so gesehen. Joey geht dabei auf die Möglichkeiten des Internets ein (Überraschung!), wie man von anderen lernen kann und welche Rolle Vertrauen im Alltag eines Fotografen spielt. Interessant fand ich auch zu erfahren, wie er an seinen ersten großen Job kam. In einem Q&A Clip geht er auf gängige Fragen ein, z.B. Posing , Objektive etc.

4) TRAVEL

Spätestens seit seinem privaten Projekt Abyssinia (darüber habe ich vor einem halben Jahr bereits einen Fotofreitagbeitrag geschrieben) ist Joey für seine Reisen und Reisefotografie bekannt. Die Reise hat er mit einem Behind the Sceenes Video dokumentiert, das Video ist auch auf seinem Blog zu sehen: Joey L in Ethiopia- The video

5) PHOTOSHOP

Zu guter Letzt geht Joey auf die Nachbearbeitung mit Photoshop ein. Dabei zeigt er, und das ist für mich der spannendste Teil des Kapitels, mit welchem Ausgangsbild und einfachen Photoshop-Tricks er zur finale Version gekommen ist. Viel seine Bilder sind gar nicht so sehr photogehopped, wie ich es ursprünglich vermutet habe.

Fazit

Der Schwerpunkt von Session with Joey L. liegt eindeutig auf der Vision und dem künstlerischen Aspekt seiner Fotografie. Die Technik versucht er in den Hintergrund zu drängen und reduziert sie auf das, was sie ist: das Werkzeug.  Nichts destotrotz erwänt Joey gerne, welches Equipment er besitzt. Dabei fallen vor allem die Namen  
ProPhoto, PhaseOne und Canon regelmäßig. Nicht unbedingt das, was der typische 19-jährige im Schrank liegen hat…

Spannend finde ich, dass er einige  
seiner ersten Bilder zeigt, die mit einer Point-and-Shoot entstanden sind.

Manko

Der Punkt Travel ist sehr spannend, jedoch finde ich diesen Teil etws zu lang. Das Behind the Scenes Video ist eine beeindruckende Dokumentation, jedoch ist der Mehrwert für den normalen Fotografen eher gering.

Trotzdem bin ich von Sessions with Joey L. begeistert und froh, dass sie mir gekauft habe. Die Trips und Tricks waren hilfreich wenn auch für mich eher evolutionär als revolutionär. Wen mehr die technische Seite der Fotografie interessiert, dem lege ich David Hobbies Strobist Lighting Seminar DVD ans Herz. Für die Künstler unter uns ist Sessions with Joey L. genau das Richtige.

4 phischeye’s von 5

Zum Onlineshop und zur Vorschau gehts hier: http://www.learnfromjoey.com/