Ex und hopp? Vor- und Nachteile von Exif-Metadaten

Copy LeftJeder Fotograf hat so seine eigene Art, Bilder zu verwalten. Ich benutze Lightroom und verschlagworte alle meine Fotos. Somit habe ich immer den Überblick über meinen Bildbestand. Beim Exportieren hinterlasse ich zumindest eine Copyright-Notiz in der Datei, die jedoch nicht im Bild sichtbar ist.
Als ich neulich ein paar Fotos bei Facebook hochgeladen habe, war ich doch sehr überrascht, als ich gemerkt habe, dass Facebook genau diesen Copyright-Hinweis stillschweigend löscht. Nach ein paar kleinen Experimenten war es schnell offensichtlich: Facebook entfernt jede Art von Metadaten. Jegliche Herkunft eines Bildes wird somit verschleiert. Ich vermute mal das offizielle Statement dürfte lauten, man möchte ein paar Bytes an Speicherplatz pro Bild sparen. Und die meisten Usern dürfte es ohnehin nicht auffallen.

Trotzdem stellt sich mir die Frage: Metadaten – ja oder nein? Und welche Vor- bzw. Nachteile ergeben sich daraus?

Exif-Was?

Meta-Informatinen in Lightroom

Meta-Informatinen in Lightroom

Exif-Daten werden heute von so gut wie jeder digitalen Kamera generiert und dürfte mit Sicherheit der am meisten verbreitet Standard sein. Die Abkürzung steht für Exchangeable Image File Format und wurde 1998 von der Japan Electronic and Information Technology Industries Association definiert. Der Standard legt fest, wie zusätzliche Informationen (also Meta-Information) zu aufgenommenen Bildern gespeichert werden. Neben Herstellername und Kameramodel wird meistens ebenfalls festgehalten, welches Objektiv verwendet und welche Einstellungen (Blende, Belichtungszeit, ISO etc) für diese Aufnahme benutzt wurden. Das am  häufigsten verwendete Feld der Exif-Daten ist wohl die Aufnahmezeit, die von viele Bildverwaltungstools zur Sortierung herangezogen wird.

Schon lange vorgesehen erfreut sich das Feld für Geo-Informationen in letzter Zeit zunehmender Beliebtheit. Apple‘s iPhone kann z.B. Bilder mit den Geo-Koordinaten der des Aufnahmeortes versehen. So lassen sich Bilder nicht nur zeitlich sondern auch geographisch einordnen.

Exif ist aber nicht alles. Häufig findet man auch noch IPTC-NAA Daten in einem Bild, insbesondere wenn sie in einem Programm wie Adobe Bridge oder Lightroom verwaltet werden. Hierbei handelt es sich um einen Standard, der von der International Press Telecommunications Council in Zusammenarbeit mit der Newspaper Association of America erstellt wurde. Bei IPTC-NAA (oft einfach auch nur IPTC genannt) geht es weniger um die technischen Details als darum, Medien aller Art mit einem einheitlichen Standard zu verschlagworten. Aus diesem Grund ist IPTC bei Medienhäusern, Bildagenturen und -archiven stark verbreitet. Neben Copyright-Hinweisen und Informationen zu Bildrechten können unter anderem Informationen wie Schlagwörter und Titel abgelegt werden.
Anhand der IPTC-Daten lassen sich große Bildbestände verhältnismäßig einfach sortieren und verwalten.

Vor- oder Nachteil?
Die Vorteile von Metadaten liegen klar auf der Hand. Ohne viel Aufwand lassen sich schnell alle Bilder finden, die mit einer bestimmten Kamera oder Linse gemacht wurden. Ebenso kann man den Bildbestand schnell nach ISO-100 Bilder oder Bildern mit weit offener Blende durchsuchen. Zusammen mit dem Datum und eventuell vorhanden, manuellen Schlagworten, ist man schnell in der Lage, komplexe Anfragen an den eigenen Bildbestand zu finden. Portrait-Bilder mit weit offener Blende zur Weihnachtszeit?

Wer sich tiefer mit der Fotografie beschäftigt, wird es zu schätzen wissen, jederzeit technische Daten wie z.B. die Verschlusszeit abrufen zu können. So hat man bei der späteren Analyse der Bilder wertvolle Informationen zur Hand, ohne bei der Aufnahme bei jedem Bild alles selbst mitschreiben zu müssen. Bei verwackelten Bildern blicke ich z.B. als erstes auf die ISO-Zahl und die Verschlusszeit. Wäre hier noch Puffer gewesen?

München

München bei Nacht: am 09.07.2009 um 21:48 Uhr, Canon G10, 6.1mm, 1/4 Sek bei f/2.8 und ISO 400

Während man früher Bilder in ein Album geklebt hat und ein paar Worte dazugeschrieben hat, gehen wir heute etwas sorgloser mit den Bildern um. Wir kopieren sie von hier nach da, verschicken sie per Mail und stellen sie online. Hier ist es von großem Vorteil, denn die Meta-Informationen im Bild eingebettet sind, so dass sie immer im Bilde bleiben. Gute Fotodienste, wie z.B. Flickr, erhalten die Bilder und erlauben es einem auch später noch, herauszufinden, wann und wo das Bild aufgenommen wurde (sofern man es ursprünglich gespeichert hatte).

Da diese Informationen zusätzlich zu dem eigentlichen Bild abgelegt werden, benötigen sie auch etwas Speicherplatz. Bei einem 20 Megapixel Bild kann man die paar zusätzlichen Kilobytes getrost ignorieren. Anders sieht es bei für das Web optimierten Bildern aus. Hier können die Meta-Informationen schnell 10% oder mehr der Dateigröße ausmachen. Aus diesem Grund bieten Programm wie Photoshop und Lightroom an, die Meta-Informationen auf das Wesentliche zu minimieren. Was wesentlich ist, bleibt dabei meistens offen. In der Regel werden Aufnahme-Zeit und Copyright-Informationen erhalten.

Lightroom Export Option

Lightroom Export Option

Exif-Daten könnten dann problematisch werden, wenn man auf Grund der Aufnahmezeit und der Geo-Koordinaten herausfinden kann, wann sich eine Person wo befand. Außerdem ließe sich über die Seriennummer der Kamera, die oft mit eingebettet wird, herausfinden, welche Bilder ebenfalls mit dieser Kamera aufgenommen wurden.

Ob Meta-Daten für den einzelnen Vor- oder Nachteile bieten, muss jeder selbst entscheiden.

An dieser Stelle sollte aber noch erwähnt werden, dass Meta-Informationen in keiner Weise verschlüsselt oder digital signiert sind. Sie lassen sich also leider sehr leicht auch fälschen.

2 Gedanken zu „Ex und hopp? Vor- und Nachteile von Exif-Metadaten

  1. Pingback: browserFruits: Die Foto News & Links der Woche | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  2. Möglicherweise löscht Facebook die Daten, um zu verschleiern wer der echte Urheber der Fotos ist, immerhin hast du mit der Registrierung bei Facebook auf die Rechte an den Bildern an Facebook übertragen.

    Auszug aus den Nutzungsbedinungen von Facebook

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