am schärfsten

Scharfe PeperoniDies ist der dritte und letzte Teil der Serie scharf, schärfer, am schärfsten. Nachdem nun geklärt ist, was Schärfe eigentlich bedeutet und wie man scharfe Fotos aufnimmt, geht es nun um das nachträgliche Schärfen von Bildern.

Die beste Ausgangsbasis ist natürlich ein scharfes Bild. Nach der Bearbeitung, als letzter Schritt, wird nun am Rechner der Schärfeeindruck eines Bildes erhöht. Für Bilder, die online angesehen werden, reicht die Beurteilung am Monitor. Werden die Bilder in die Druckerei gegeben, sollte man sich vorher informieren, wie stark die Bilder geschärft werden müssen.

Letztendlich gibt es viele Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen. Die zwei populärsten sind Unscharf Maskieren und schärfen über den Hochpass-Filter.

Unscharf Maskieren
Diese Methode ist der Klassiker unter den Scharfmachern. Seinen ungewöhnlichen Namen verdankt er seiner analogen Vergangenheit. Hier wurde erst eine unscharfe, transparente Kopie des Negativs erstellt und anschließend zusammen mit dem Negativ belichtet. Durch die unscharfe Maske wurden die dunklen Bereiche dunkler und die hellen Bereiche heller. Das Bild war kontrastreicher und wirkte schärfe.

Unscharf maskieren gibt es heute in jedem guten Bildverarbeitungsprogramm, von Photoshop bis Gimp.
Die drei Regler des USM-Filters sind Stärke, Radius und Schwellwert.

  • Der wichtigste Regler ist dabei die Stärke. Damit wird geregelt, wie stark die Kontrasterhöhung sein soll. Ist er zu niedrig, entsteht keine Schärfe. Ist er zu stark eingestellt, wird das Bild überschärft.
  • Der Radius regelt, wie weit der Effekt von der Hell-Dunkel-Grenzfläche reichen soll. In diesem Bereich wird das helle aufgehellt und das dunkle abgedunkelt.
  • Der Schwellwert legt nun fest, wie stark der Unterscheid zwischen hell/dunkel sein muss, damit der Filter überhaupt greift. Über diesen Regler stellt man ein, welche feinen Nuancen erhalten bleiben und welche kontrastreicher werden, um den Schärfeeindruck zu bekommen.
LAB - Schärfe Beispiel

Original | Geschärft

Es kann sich rentieren, den Unscharf Maskieren Filter nur auf den Helligkeitskanal anzuwenden. Dadurch werden keine Farbinformationen verändert, sondern ausschließlich die Luminanz.

Jedes Schärfen, das durch eine Kontrast-Veränderung entsteht, verringert den Dynamikumfang des Bildes. Somit gehen in Wirklichkeit Details verloren, auch wenn das Bild schärfer und detailreicher wirkt. Dies ist mitunter der Grund, warum das Schärfen immer erst zum Schluss gesehen darf. Insofern stört es mich auch nicht, dass der Filter Unscharf Maskieren mein Bild verändert. Ich wende den Effekt sowieso nur auf eine Kopie des Bildes an.

Dennoch wünscht man sich manchmal auch ein nicht-destruktives Schärfen, also eine Veränderung der Kontraste die über eine Ebene ein- und ausgeblendet werden kann.

Schärfen mit dem Hochpassfilter
Dieses Verfahren wird zunehmen zu meiner bevorzugten Variante des Schärfens. Einerseits ist sie nicht destruktiv, ändert also nichts an den Bildpixel selbst. Andererseits kann ich über die Ebeneneinstellungen festlegen, wo sie wirken soll und somit gezielt und künstlerisch auf die Schäre Einfluss nehmen.

Beim Schärfen mit dem Hochpassfilter erstellt man zuerst eine Kopie des Bildes und fügt dieses in eine neue Ebene ein. Auf diese Ebene wird der Filter Hochpass (in Photoshop: Filter -> Sonstige Filter -> Hochpass) angewandt, und zwar so, dass alle Kanten betont sind.
Durch die Füllmethode „Weiches Licht“ werden die Kanten nun verstärkt, so dass das Bild schärfer wirkt. Technisch gesehen passiert das gleich, wie bei einem Doge&Burn mit weichem Licht. Stefan hat dazu mal ein schönes Dodge and Burn Tutorial geschrieben.

highpass

Die Schritte nebeneinander: Original | Hochpass-Ebene | Ergebnis

Der Vorteil dieser Methode liegt auf der Hand: alle Schärfeinformationen liegen in einer Ebene. Über die Ebenentransparenz lässt sich die Intensität des Effektes präzise steuern. Gleichzeitig kann man nachträglich bearbeiten, wo und wie die Schärfe wirken soll. Für die  Ebene mit dem Hochpass-Bild ist die Füllmethode „Weiches Licht“. Dadurch werden die darunter liegendne Ebenen nur beeinflusst, wenn ihre Farbe nicht genau 50% grau ist. (Dieser Grauton ist die neutrale Farbe der Ebene). Überpinselt man Bereiche der Ebene mit 50% grau, wirkt der Effekt an dieser Stelle nicht mehr. Fertig ist die selektive Schärfe.

Letztendlich kann man anstelle des Hochpassfilters auch z.B. den Relief-Filter verwenden.

Übrigens: beim schärfen muss man immer mit einer 100%-Ansicht arbeiten, andernfalls kann man das Ergebnis nicht sinnvoll überprüfen.

4 Gedanken zu „am schärfsten

  1. Wow, guter Artikel. Danke.
    Eine Frage hätte ich noch: wenn ich das Bild schärfe, mache ich das bevor ich es auf die richtige Größere verkleinere oder danach?

    • Schärfen ist immer der letzte Schritt. Das heißt, du bearbeitet dein Bild, bringst es auf die richtige Größe und schärfst nun.

  2. Ob Unscharf Maskieren destruktiv ist, hängt einzig und allein von der verwendeten Software ab. In Capture NX sind bspw. beide Methoden nicht destruktiv.

    VG, Tom (C:=

    • Da hast du recht, Tom. Als Raw-Converter ist Capture NX natürlich nicht-destruktiv. Allerdings fehlen mir hier die Möglichkeiten, die mir eine vollständige Bildbearbeitungssoftware bietet.

      Sowohl Gimp als auch Photoshop arbeiten beim schärfen direkt auf den Pixeln, eine USM-Einstellungsebene wäre sehr wünschenswert.
      LG
      Phil

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