… schärfer …

Scharfmacher: das Stativ

Scharfmacher: das Stativ

Im ersten Teil dieser Serie habe ich erklärt, was Schärfe eigentlich ist. Nun ist es an der Zeit darüber zu sprechen, wie wir Schärfe am besten ins Bild bekommen.

Für richtig scharfe Bilder muss man bereits bei der Aufnahme auf ein paar Dinge achten. Ich habe die Tips möglichst unabhängig von der Kamera gehalten. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass eine moderne, digitale Spiegelreflexkamera und hochwertige Objektive schärfere Bilder liefern als z.B. ein Handy.

Die meisten Punkte sind wenig überraschend. Wichtiger ist, dass man im richtigen Augenblick daran denkt:

Die richtigen Einstellungen wählen

Belichtungszeit: kurze Belichtungszeiten erlauben es uns, scharfe Bilder aus der freien Hand zu machen. Das ist deshalb möglich, weil die Aufnahme so schnell geht, dass keine Zeit fürs Verwackeln bleibt. Die Faustregel lautet: für Freihand-Aufnahmen sollte die Belichtungszeit kürzer sein als 1/Brennweite Sekunden. Bei einem 50mm Objektiv muss z.B. die Belichtungszeit unter 1/50 Sekunde liegen. Die Regel gilt für alle gängigen Brennweiten, bei extremen Teleobjektiven gilt sie aber nicht mehr.

Blende: für scharfe Aufnahmen empfiehlt es sich, die Extreme der Blendenstufen zu meiden. Für viele Objektive (wenn auch nicht alle) gilt: beim Maximal- bzw. Minimalwert lässt die Abbildungsleistung des Objektivs bereits nach. Daher besser eine Blendenstufe weg am Rand.
Bei Offenblende muss man außerdem sehr genau darauf achten, wo der Fokus sitzt. Bei 50mm und Blende 1.4 kann das ganze Portrait unscharf sein, nur weil der Fokus auf der Nase saß und nicht auf den Augen. Das Schwenken vom Fokuspunkt zum bildwichtigen Motivdetail kann auch ein Verlassen der Schärfeebene bedeuten, insbesondere bei Teleobjektiven.

Empfindlichkeit: Hohe ISO-Werte erlauben kürzere Belichtungszeiten. Leider entsteht dadurch aber ein Rauschen im Bild. Dieses Rauschen kann durch ein Weichzeichnen entfernt werden, aber damit geht auch Schärfe verloren. Wird auf das Weichzeichnen verzichtet, sieht das Rauschen an kontrastreichen Kanten wie Fransen aus und hinterlässt somit einen unscharfen Eindruck. Hier gilt die Faustregel: so niedrig wie möglich und so hoch wie nötig.

Stative gibt es viele: Einbein (Monopod), das klassische Dreibein und diverse Exoten, die man irgendwo festklammern oder schrauben kann. In allen Fällen ist das Ziel, die Kamera so ruhig wie möglich zu halten. Ein Stativ muss schwer und solide sein, damit es selbst keine Schwingungen aufnimmt. Mit einem Kugelkopf bewegt man die Kamera komfortabel und stufenlos in alle Richtungen.

Ohne Stativ bleibt einem nicht viel anderes übrig, als die Kamera besonders ruhig zu halten. Am besten steht man leicht breitbeinig und aufrecht, so dass der Körperschwerpunkt stabil über den Füßen ist. Die Arme eng am Körper, die Kamera nah am Kopf und mit meiden Händen gehalten (eine Hand am Auslöser, die andere am Objektiv). Ruhig atmen (ggf. Atem anhalten) und Auslöser sanft betätigen (es ist wesentlich weniger Druck nötig, als man denkt).

Auch ein Tisch oder eine Mauer kann eine Alternative für ein Stativ sein.

Auch der Sensor hat Einfluss auf die Schärfe

Auch der Sensor hat Einfluss auf die Schärfe

Bildstabilisator: Der Bildstabilisator ist eine feine Sache, kann aber auch kontraproduktiv wirken. Er sollte nur bei Aufnahmen aus der Hand eingeschalten sein. Dadurch werden leichte Kamera-Bewegungen ausgeglichen.
Bei längeren Belichtungszeiten (so ab 0,5 Sekunden) und wenn die Kamera auf einem Dreibeinstativ ist, sollte er ausgeschaltet sein. Sonst könnte es vorkommen, dass der Bildstabilisator selbst das Bild verwackelt. Das mag paradox klingen, hat aber eine simple Ursache: der Bildstabilisator sorgt für ein ruhiges Bild, in dem er zu jeder Bewegung die Linsen entgegengesetzt bewegt. Dadurch wird das Bild stabil gehalten. Es kann aber passieren, dass diese Gegenbewegung das Stativ zum Schwingen bringt. Jetzt muss der Bildstabilisator noch mehr dagegen arbeiten und das ganze Schaukelt sich hoch und verwackelt das Bild. Darum besser den IS ausschalten, wenn man mit einem Stativ arbeitet.

Datei-Format: RAW-Daten liefern eine bessere Ausgangsbasis für das spätere Schärfen am PC. Bei JPGs, die in der Kamera erzeugt wurden, besteht die Gefahr, dass der Bildwandler bereits eine Rauschunterdrückung angewandt hat. Dabei wird das Bild leider leicht weichgezeichnet.

Ein Tipp zum Schluss: Blitzlicht friert das angeleuchtet Objekt mit weniger als 1/1000 Sekunde ein und ist daher immer knack-scharf.

Im nächsten Post geht es dann um den letzten Schliff: die Nachbearbeitung

3 Gedanken zu „… schärfer …

  1. Bei der Regel 1/Brennweite sollte man auch den Cropfaktor berücksichtigen, da dieser ja den Bildausschnitt beeinflusst. Bei 50mm würde ich also 1/80 als Belichtungszeit nehmen.
    Grüsse
    Stefan

    • Diese Regel ist stark verbreitet, macht aber meiner Meinung nach keinen Sinn: sie basiert auf der (falschen) Annahme, dass der Cropfaktor die Brennweite verändert. Dabei beschneidet er nur den Ausschnitt (crop = beschneiden).

      Stell dir vor, du fotografierst ein Portrait. Beachten wir nur einmal den mittleren Punkt, also den Kreuzsensor. Wenn du nun die Aufnahme verwackelst ist es absolut egal, wie viel Rand der Sensor mit auf das Bild bekommt. Der Cropfaktor hat wenig Einfluss

  2. Ich denke, dass der Cropfaktor hier schon wichtig ist. Es ändert sich ja der Ausschnitt, er wird enger. Jede kleinste Änderung wirkt sich also deutlicher auf die Schärfe aus.

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