Scharf…

Scharfe PeperoniFür viele ist die Schärfe eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das einzig entscheidende, Qualitätsmerkmal bei Bildern und Fotos. Dabei fällt es vielen schwer, Schärfe zu definieren. Das mag daran liegen, dass es viele Faktoren gibt, die die Schärfe beeinflussen. Trotzdem handelt es sich bei diesen Faktoren selten um Schärfe selbst.

Auch wenn wir im Alltag meist von der einen Schärfe sprechen, verbergen sich dahinter zwei Arten bzw. Begriffe. Die technische Schärfe sowie der Schärfeeindruck.

Doch was genau bedeutet nun Schärfe?

Unter der technischen Schärfe versteht man die im Bild vorhandenen Details, die noch unterschieden werden können. Dabei können die Unterschiede über die Helligkeit, den Farbton oder die Intensität der Farbe wahrgenommen werden.
Der Schärfeeindruck hingegen ist ein individuell wahrgenommenes Schärfemaß, das vom Betrachter, der Auflösung des Bildes, dem Betrachtungabstrand und der Art, in der das Motiv abgebildet ist, abhängt. Kontrastreiche Bilder werden daher in der Regel als schärfer wahrgenommen, auch wenn sie ggf. weniger Bilddetails enthalten.

Die technische Schärfe

Je mehr Schärfe ein Bild hat, umso mehr Information kann ein Bild transportieren. Besteht ein Foto aus sehr vielen Bilddetails und Informationen, die einzeln unterscheidbar sind, spricht man von einem scharfen Bild. Im Gegensatz dazu transportiert ein vollkommen unscharfes Bild, dass nur noch aus verschwommenen Farbenflächen besteht, kaum noch Information.

Unschärfe muss nicht zwingend etwas schlechtes sein. Schärf und Unschärfe sind wichtige Aspekte der Bildgestaltung. Das folgende Bild besteht aus scharfen und unscharfen Bereichen. Der Fahrer ist weitestgehend scharf abgebildet, Kleidung, Helm und das Fahrzeug lassen sich erkennen; all das ist Information, die das Bild transportiert.

Unschärfe steht für Geschwindigkeit und lenkt den Blick des Betrachters

Bewegungsunschärfe ist ein beliebtes Stilmittel

Durch mitziehen der Kamera ist der Hintergrund jedoch verwischt und unscharf. Das geparkte Kart zwischen den Autoreifen ist nur noch ansatzweise erkennbar. Wer der Sponsor ist lässt sich nur vermuten. Diese und weitere Informationen sind auf Grund der Unschärfe verloren gegangen. Man kann nur noch erahnen, dass es sich um eine Indoorkartbahn handelt und dass es wahrscheinlich ein schneller Fahrer war.

Schloss im Regen

Schärfentiefe

Beim diesem Bild rechts wurde mit wenig Abstand, einer weit offenen Blende und einem leichten Teleobjektiv gearbeitet: durch den Schärfeverlauf wird das Auge des Betrachters geleitet. Diese Art des Spiels mit Schärfe und Unschärfe wird insbesondere in der Portraitfotografie eingesetzt. Über die geringe Schärfentiefe wird der Hintergrund unscharf, unnötige Details und Informationen werden unterdrückt. Der Betrachter kann sich das Wesentliche ansehen, ohne dass er abgelenkt wird.

Der Schärfeeindruck

Wenn man umgangsprachlich von Schärfe redet, ist meistens den Schärfeeindruck gemeint, also die subjektive Wahrnehmung. Diese wird von vielen Faktoren beeinflusst.
Bereits während der Aufnahme gibt es Möglichkeiten, die eine Bild später scharf wirken lässt. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Stark gerichtetes Licht, das viele Schatten wirft und eine kurze Belichtungszeit erlaubt
  • Eine ruhige Kamera, ein ruhiges Motiv und klare Luft (keine störenden Partikel, kein Rauch etc)
  • Kontrastunterschiede im Motiv, z.B. sehr helle und sehr dunkle Bereiche, kontrastreiche Farben eng nebeneinander
  • Linien und Muster

Aber auch das Ausgabeformat und der Abstand des Betrachters spielen eine wichtige Rolle:
Kleine Bilder wirken schärfe als große. Außerdem wirken Bilder aus der ferne schärfer und Bilder, die man aus der Nähe betrachtet, eher unscharf. Wer ist nicht schonmal sehr nah an einer Plakatwerbung gestanden und hat sich über die schlechte, pixelige Auflösung gewundert? Und dennoch sieht das Plakat aus der Ferne sehr gut aus.

Dabei müssen technische Schärfe und der Schärfeeindruck nicht unbedingt Hand in Hand gehen.

scharf

Das rechte Bild wirkt schärfer, weil es deutlich kontrastreicher ist. Mittels Gradationskurve sind die hellen und dunklen Bereiche jeweils so verstärkt, dass die dunklen Flächen rein schwarz und die hellen rein weiß sind. Von der Musterung und der Oberflächenstruktur der Rennbahn ist im rechten Bild kaum noch etwas erhalten. Das rechte Bild ist subjektiv schärfer, das linke ist technisch schärfer.

Im zweiten Teil dieses Dreiteilers zeige ich, wie man scharfe Bilder aufnimmt.

Ein Gedanke zu „Scharf…

  1. Sauber, Phil. Gutes Thema, das Du da angeschnitten hast – ich finds auch gut, dass Du solche Themen hier auf Deinem Blog aufgreifst, damit klärst Du Fragen, die sich der ein oder andere schon mal stellt.

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