Tricks für das Lichtzelt

Stilleben RisottoDer Schwerpunkt meiner Fotografie liegt eindeutig auf Portraits. Die Zusammenarbeit mit Menschen macht mir einfach Spaß. Dennoch fotografiere ich gerne immer wieder auch Stilleben und Produktfotos im Lichtzelt.

Während bei der People-Fotografie das Model im Vordergrund steht, kann ich mich bei Stilleben und der Produktfotografie ganz auf die Kamera und das Licht konzentrieren. Eine Vase oder Pflanze bleibt geduldig an ihrem Platz, das ständige rumrücken macht ihr nichts aus. Ich kann in aller Ruhe diverse Einstellungen ausprobieren, das Setup ändern oder die Bilder zwischendurch am Rechner sichten.

Dabei habe ich festgestellt, dass ein paar Tricks immer gut funktionieren. Zwei davon möchte ich in diesem Post näher beschreiben.

Modellieren mit Licht: allgemein gilt, dass Licht von vorne verflachend wirkt während Licht von der Seite für Tiefe und Struktur sorgt. Dies gilt insbesondere für Stilleben. Eine seitliche Beleuchtung wirft stärkere Schatten so dass das Objekt plastisch erscheint und die Oberflächenstruktur sichtbar wird.

Setup

Meistens verwende ich obiges Setup (man beachte mein Talent als Illustrator). Das Lichtzelt steht am Boden oder auf einem Tisch, ein Speedlight mit einem 1m großen, silbernen Schirm beleuchtet von rechts.

Beleuchtung von schräg hinten

Phil in ActionIn der Regel fotografiere ich Vasen, Pflanzen oder sonstige Gegenstände aus Glas. Alles Objekte, die zu einem gewissen Grad durchsichtig sind. Hier habe ich festgestellt, dass eine Beleuchtung von schräg hinten fast immer von Vorteil ist. Pflanzen & Co glühen auf und wirken lebendiger, wenn sie von hinten beleuchtet werden. Helle Objekte werfen ihren Schatten in Richtung des Betrachters. Dadurch wird die Oberflächenstruktur sehr schön sichtbar. Außerdem verringt diese Art der Beleuchtung starke Reflektionen.

Ein weiterer Vorteil ist die leichte Überstrahlung des Hintergrunds. Da das Zelt die meiste Zeit zusammengelegt ist, entstehen im Stoff schnell Knicke und Falten. Durch das viele Licht, das auf den Hintergrund fällt, verschwinden diese automatisch. Würde das Licht von vorne kommen, wäre ein deutlicher Schattenwurf der Falten sichtbar.

Lichtschlucker

Doch das Lichtzelt hat auch Nachteile: Gerade bei hellen Objekten kann durch das viele Licht die Struktur der Oberfläche und damit die Plastizität verloren gehen. Das folgende Bild zeigt dies deutlich.

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Das Licht kam ebenfalls von rechts hinten, aber die Zeltwände haben es stark reflektiert. Um das Bild wieder in die dritte Dimension zu holen, habe ich links einen Lichtschlucker verwendet. Ein Lichtschlucker ist das genaue Gegenteil eines Reflektors, nämliche eine schwarze Fläche die so wenig wie möglich reflektiert.

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Dadurch werden Reflektionen auf der Linken Seite unterdrück, Schattenbereiche werden dunkler. Durch das verstärkte Spiel mit Licht und Schatten gewinnt die Aufnahme wieder an Plastizität.

Viel Spaß und Erfolg beim Experimentieren.

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11 Gedanken zu „Tricks für das Lichtzelt

  1. So ein Lichtzelt ist schon praktisch, damit man nicht mit ungewollten Reflexen kämpfen muss.
    Das Beispiel mit dem Muschelteller ist beeindruckend, das verdeutlicht die Wirkungsweise ziemlich gut!

  2. Schöner Artikel…

    Kannst Du bitte verraten, was du für ein Lichtzelt benutzt? Ich finde diese Art von Fotografie nämlich sehr interessant und bin auf der Suche nach einem solchen.

    PS: Vordergrund schreibt man mit „V“.

    • Das Lichtzelt ist von ValueProducts24 und kommt mit einem weißen und schwarzen Hintergrund.
      Phil

  3. Danke für den informativen Artikel. Kannst Du noch was zu den verwendeten Objektiven sagen? Aber auch zu deinen Settings? ISO etc.
    thx

    • Bei allen Bildern kam das Canon 24-70 f/2.8 L zum Einsatz. Ein super Immer-Drauf-Objektiv und absolutes Arbeitstier.
      Die ISO habe ich meist bei 200-400 und den Blitz bei 1/8-1/4 Leistung. Dadurch habe ich rausfreie Bilder und schnelle Ladezyklen beim Blitz. Die Blende variiert zwischen 5.6 und 8.
      Die Einstellungen sind so gewählt, dass ich ausschließlich das Licht vom Blitz im Bild habe. Das Umgebungslicht hat keinen Einfluss.
      Phil

  4. Pingback: Foto News, Links und Zeug: Die browserFruits | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  5. Toller Artikel… Aber der erste Muscheltelle ist viel schöner. Doof dass du die Tischkante drauf. Beim zweiten saufen die Schatten ab, da hilft eine Stüroporplatte.
    -J

    • Welches der beiden Bilder schöner ist, überlasse ich jedem selbst. Sie zeigen aber sehr deutlich, welchen enormen Einfluss ein kleines Stück schwarzer Stoff hat. Beide Fotos sind übrigens absolut unbearbeitet.

  6. @Frau Ö / @jesse Bin gespannt, was ihr mit dem Lichtzelt zaubert. Postet doch einen Link!
    LG
    Phil

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