Produktfotos im Lichtzelt

Bei Produktfotos wird in der Regel diffuses Licht verlangt, welches ein Motiv vollständig umgibt. Das Objekt sollte weich ausgeleuchtet sein, die Schatten dürfen nicht absaufen und störende Reflexionen müssen vermieden werden.

Doch oft ist es gar nicht so leicht ein Motiv gleichmäßig auszuleuchten. Die sonst üblichen Schirme und Softboxen erzeugen ein zu gerichtetes Licht. Mehrere Lichtquellen aus Haupt- und Aufhelllicht werfen schnell Schatten in unterschiedliche Richtungen.
Spätestens bei stark reflektierenden Gegenständen wird es schwierig: es spiegelt sich nicht nur die Lichtquelle darin, sondern auch alles andere, was im Raum ist. So wird der Fotograf schnell Teil seines Fotos.

Für solche speziellen Fälle gibt es Lichtzelte, in die das Motiv hineingestellt wird. Die Form und Größe des Zeltes variiert dabei: es gibt Quader, Würfel und Halbkugeln von 30cm bis 2 Meter.
Bespannt ist das Lichtzelt mit einem einheitlichen, lichtdurchlässigen Material. Anstelle des Objekts wird nun das Zelt beleuchtet; somit entsteht im Innenraum ein äußerst sanftes und nahezu schattenfreies Licht. Je nach Position der Lichtquelle kann die Richtung, aus der das Licht kommt, variiert werden. Starke Schatten entstehen dabei nicht, da die gegenüberliegende Seite im Zelt immer für genügend Aufhellung sorgt. Ist die Lichtquelle weiter entfernt oder besonders groß, erhält man sehr weiches und diffuses Licht im Innenraum. Durch eine nahe oder kleine Lichtquelle kann eine Seite betont werden.

Fotografiert wird das Motiv durch ein Loch in der Zeltwand, das je nach Setup nur noch so groß wie das Objektiv der Kamera ist. Bei stark reflektierenden Gegenständen spiegelt sich dann maximal die Linse. Ein Problem, das sich in Photoshop leicht lösen lässt.

Letztes Wochenende habe ich mit einem Lichtzelt fotografiert, um Bilder von Blumen, Vasen und Feuerstellen zu machen. Die meisten Gefäße waren aus Glas oder poliertem Chrom: ohne Lichtzelt wäre das kaum machbar.

Das folgende Behind-the-Sceenes Bild von Dominik zeigt das Setup.

Lichtzelt - Setup

Im quadratischen Lichtzelt steht ein Podest aus Holz, auf dem ich die Gegenstände platziert habe. Damit die Glasvasen besser zur Geltung kommen, habe ich den Hintergrund mit einem schwarzen Tuch abgehängt (im Bild sieht man davon nur noch den Ausläufer unter dem Podest).

Die einzige Lichtquelle ist ein Speedlight. Durch den 130cm großen, silbernen Reflektor wird der Würfel gleichmäßig von rechts und oben beleuchtet. Der Schirm und das Lichtzelt schlucken jeweils einen Teil des Lichts, so dass ich das Speedlight auf 1/4 bzw. 1/2 Power aufdrehen musste.

Die folgenden Aufnahmen sind genau mit diesem Setup entstanden. Die Bilder sind unbearbeitet, mit Ausnahme von einer kleinen Kontrasterhöhung in Lightroom.

Lichtzelt - Beispiel 1

Die Spiegelung der Zeltwand ist marginal, weil das Glas leicht gedreht ist.

Lichtzelt - Beispiel 2

Es bestand genügend Abstand zur Zeltdecke, so dass wir diese „heiße“ Aufnahme problemlos und sicher machen konnten (Bonusfrage: wer hat den Feuerlöscher im Setupbild gefunden, den wir zur Sicherheit hatten?).

Bei Bildern mit Blumen habe ich das Licht etwas weiter nach hinten geschoben. Dadurch glühen die Pflanzen etwas auf, die Farben erscheinen intensiver.

Tulpe 1

Fazit: mit einem Lichtzelt lassen sich sehr schnell und einfach schöne Produktfotos machen. Genauso gut eignet es sich für Makro oder Stilleben.

Lichtzelte gebkommt man fast an jeder Straßenecke, seit sich herumgesprochen hat, dass man auf eBay mit guten Fotos bessere Preise erziehlt. Wer kein Lichtzelt kaufen will, findet im Internet viele Anleitungen für den Eigenbau. Viel Spaß!