Nach dem Shooting, oder „…die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“

Jeder digitale Fotograf kennt das: am Ende eines Shootings gilt es hunderte von Fotos und Gigabyte von Daten zu sortieren. Früher hat einen wenigstens noch der Preis für Film und Entwicklung gebremst. Heute hält einen nichts mehr. Man braucht einen effizienten Workflow zum Sichten und Beurteilen der Bilder. In akzeptabler Zeit.

Am Ende eine Shootings importiere ich in der Regel zwischen 200 und 400 Bilder in meine Lightroom 2.2 Bibliothek. Dass ich nicht alle Bilder auf meinem Mac behalten kann und will liegt auf der Hand. Die Frage ist daher, mit welcher Strategie kann ich in kürzester Zeit die besten Bilder ausfindig machen?

Es gibt diverse Bücher und Tutorial zu diesem Thema und doch muss jeder Fotograf seinen ganz eignen Workflow finden. Meiner sieht so aus:

In der Regel gehe ich als erstes die Bilder zusammen mit dem Model durch. Dabei entscheiden wir beide, welche Bilder unbedingt gelöscht werden müssen. In der Lupenansicht öffne ich das erste Bild und blende mit Shift-Tab alle Bedienfelder aus. Zusätzlich verdunkle ich den Rest des Bildschirms durch zweimaliges Drücken auf L, damit nur noch das Bild selbst angezeigt wird.

Jetzt beginnt das erste Aussortieren. Mit der Pfeil-Nach-Rechts-Taste gehen wir Schritt für Schritt alle Bilder durch. Sehen wir ein technisch oder inhaltlich unbrauchbares Bild, drücken wir Shift-X. Damit lehnen wir das Bild ab und springen gleichzeitig sofort zum nächsten Bild. Das machen wir so lange, bis wir beim letzten Bild angekommen sind. Nun sind alle unbrauchbaren Fotos als abgelehnt markiert.

Die Taste G bring uns zurück in die Bibliothek, mit erneutem L wird die Abdunklung aufgehoben. In der Bibliothek kontrolliere ich nun über den Filter Attribut/Abgelehnt, welche Bilder uns nicht gefallen und lösche diese mit Cmd+Backspace von der Festplatte.

Dieses erste Ausmisten hat vor allem einen Zweck: die Bibliothek soll frei von Bildern sein, die definitiv nicht verwendet werden sollen. Meistens werden dadurch aber nicht mal zehn Prozent der Bilder gelöscht. Der Bildbestand ist nach wie vor umfangreich.

Die eigentlich zeitaufwändige Arbeit beginnt jetzt. Aus den verbleibenden guten Bildern müssen die Highlights herausgefischt werden. Lightroom bietet hier eine Menge Möglichkeiten: Bilder können mittels Farbe, über die Vergabe von Sterne oder über Markiert/Unmarkiert/Abgelehnt gekennzeichnet werden.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass ich gar nicht so komplex und detailliert vorgehen will. Ich suche einfach nur das beste Bild aus jeder Serie. Unter einer Serie verstehe ich alle Bilder, die nacheinander an der gleichen Location, mit dem gleichen Licht und ähnlichen Posen gemacht wurden. Um das beste Bild einer Serie zu finden, muss ich nur alle Bilder darin miteinander vergleichen. Aus diesem Grund bevorzuge ich die Vergleichsansicht.

Lightroom 2.2 Vergleichsansicht

Dabei gehe ich so vor: In der Rasterübersicht wähle ich das erste Bild und drücke C, um in die Vergleichsansicht zu kommen. Jetzt sehe ich links das erste Bild als mein ausgewähltes Bild und rechts das nächste Bild, als Kandidat. Ausgewählt heißt, dass es mein aktueller Favorit ist, der Kandidat tritt gegen dieses Bild an. Gefällt mir mein Kandidat besser als mein Favorit, drücke ich die Pfeil-Nach-Oben taste und befördere den Kandidat zu meinem neuen Favorit/Auswahl. Ist meine Auswahl schon besser als der Kandidat drücke ich einfach die Pfeil-nach-Rechts Taste und komme zum nächsten Bild. So gehe ich nun ein Bild nach dem anderen durch und vergleiche es immer mit dem aktuell besten.

Der Trick dabei ist jetzt folgender: wenn auf der rechten Seite ein Bild aus der nächsten Serie auftaucht, ist das Bild auf meiner linken Seite das beste aus der vorherigen Serie. Wenn ich jetzt P drücke, wird das Bild auf der linken Seite markiert. Mein Favorit ist gefunden.

Der nächste Schritt ist etwas ungewöhnlich. Nachdem ich meinen Favoriten mit einem Fähnchen markiert habe, befördere ich immer das rechte Bild (Kandidat) zu meiner neuen Auswahl. Da ich von der neuen Serie gerade nur das eine Bild kenne, ist es zwangsweise meine Favorit. Gleichzeitig wird das nächste Bild aus der neuen Serie mein neuer Kandidat. Und genau deshalb ist dieser Schritt erforderlich, damit ich wieder zwei Bilder aus der gleichen Serie miteinander vergleichen kann. Jetzt beginnt das Spiel von vorne. Ich vergleiche, wähle jeweils das bessere Bild, bis ich bei der nächsten Serie oder am Ende meines Filmstreifens angekommen bin.

Zurück in der Rasteransicht der Bibliothek (G) habe ich aus jeder Serie genau einen Favoriten. Über den Filter erstelle ich erst aus den Markierten eine Sammlung und lösche die Unmarkierten.

Natürlich ist dieses Verfahren nicht für jeden Fotografen geeignet, aber es hat mir sehr geholfen, in sehr kurzer Zeit die wirklich interessanten Bilder aus einem Shooting zu identifizieren.

Und wie sieht dein Workflow aus?

Phil

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